SANTO SPIRITO - der Heilige Geist in der Kumpfgasse

Die schmale Kumpfgasse im ersten.Wiener Gemeindebezirk, welche die Singer- mit der Schulerstraße verbindet, hieß laut Lexikon 1302 noch „Champluken“ und ab 1390 „Kumpfgässl“, ihren heutigen Namen trägt sie seit 1827. Unter „Kumpf“ verstand man damals einen speziellen Trog, den die dort ansässigen Wollweber und Tuchmacher zur Behandlung ihrer Erzeugnisse verwendeten. Die aus dem Indoeuropäischen stammende Wortwurzel „kumbh“ bedeutet jedoch ursprünglich ebenso wie heute im Sanskrit den Trinkkrug,. dem sogar ein hoher hinduistischer Feiertag gewidmet ist: „Kumbh Mela“, das "Fest des Heiligen Kruges".

Eine Symbolik, die – steht man vor Haus Nr.7 – gar nicht besser passen könnte. Denn dieses stattliche, vor einigen Jahren komplett renovierte Gebäude aus der Wiener Gründerzeit, beherbergt im Souterrain eines der liebenswertesten und interessantesten Lokale der Wiener Szene: das „SANTO SPIRITO“.

Als einschlägiges Lokal für Alte Musik ist es Freunden der Klangwelten zwischen Mittelalter und Klassik seit vielen Jahren ein Begriff. Darüber hinaus schätzen seine Gäste nicht nur die gepflegten Weine und kleinen kulinarischen Köstlichkeiten mit mediterranem Akzent, sondern vor allem auch die offene und herzliche Atmosphäre, die Menschen aller Hautfarben, und Altersgruppen willkommen heißt.

Geboren wurde dieses Unikat im Jahr 1980 von Günter Rupp, einen Liebhaber klassischer Musik und praktizierenden Philosophen aus Leidenschaft. Seiner Passion entsprechend, integrierte er in die Gestaltung der Räumlichkeiten einige antike Elemente, was dem SANTO SPIRITO bis heute sein reizvoll eigenwilliges Flair verleiht.
Einen Akzent der besonderen Art und damit zugleich einen deutlichen Hinweis auf seinen Namen erhielt das Lokal durch eine ausgestopfte und vergoldete Taube, welche über der Säule in der Mitte des Bartresens schwebte und bei sanfter Beleuchtung geheimnisvolle Schatten an die Decke warf.

Fünfzehn Jahre lang bewirtete der Gründer sein Publikum nebst kleinen Speisen und Getränken vor allem mit musikalischer Klassik. In dieser Zeit erwuchs dem SANTO SPIRITO auch seine höchsteigene, gleichsam maßgeschneiderte Lokalhymne - das Gloria der H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach [vorspielen], das mit den lateinischen Worten beginnt: "Et cum sancto spirito ..."

Zu diesem symbolträchtigen akustischen Wahrzeichen bekennt sich auch Christian Hamernik der das Lokal 1995 von Günter Rupp übernommen hat, und bezeichnet dieses Gloria als „das Credo des Lokals“. Passend dazu wurde auch das neue SANTO–Logo erkoren: die Taube aus dem Taufbild des italienischen Renaissance-Malers Piero della Francesca. War sein Vorgänger ein reiner Klassik-Fan, so hat Christian Hamernik, selbst leidenschaftlicher Alte-Musik Liebhaber, das Repertoire dank einer umfänglichen CD-Sammlung um wenigstens zwei Epochen erweitert: Barock- und Renaissancemusik, auf Wunsch gelegentlich auch eine Prise Mittelalter. Das allein war jedoch nicht genug für den engagierten neuen Santo-Chef, für den Musik nicht nur Klang auf Tonträgern, sondern vor allem etwas Lebendiges ist.

So wurden bestimmten Themen und Jahreszeiten gewidmete Feste und die Kultur-Frühstücke mit kleinen Live – Konzerten junger Musiker ins Leben gerufen, und der Radiosender Ö1 übertrug – moderiert vom Alte Musik–Experten Bernhard Trebuch - mehrmals im Jahr zwischen 1h und 6h morgens „Die Lange Nacht der Alten Musik“ live aus dem SANTO SPIRITO.

Zur Ehrensache wurde es für das SANTO SPIRITO auch, sich durch kleine Solidaritätsaktionen zum Weltaidstag am 1.Dezember und die Präsenz auf der Regenbogenparade 1999 und 2001 zu Akzeptanz und Offenheit gegenüber Menschen unterschiedlicher partnerschaftlicher Orientierungen zu bekennen.

Differenzen zwischen den Geschäftspartnern führten 2003 zu einer vorübergehenden Schließung des Lokals. Christian Hamernik dachte jedoch nicht ans Aufgeben und so öffnete „das SANTO“ am 15. Mai 2004 frisch herausgeputzt seine Pforten. Bei dieser Gelegenheit, wurde auch die neue, vom Innsbrucker Norbert Metz gestaltete „Schutztaube“ des SANTO SPIRITO durch den Wiener Dompfarrer zu St. Stefan höchstpersönlich und feuchtfröhlich eingeweiht.
Christian Hamernik ist in all den Jahren „der SANTO – Wirt“ geworden, der sich nahezu täglich höchstpersönlich um das Wohl seiner Gäste kümmert. Auch allfällige vierbeinige Begleiter brauchen nicht durstig zu bleiben. Eine Hundewasserschüssel ist Selbstverständlichkeit.

Gäste, die sich einmal so richtig als DJs fühlen wollen, dürfen unter dem Motto „Gäste machen Musik“ etwa alle sechs Wochen einmal ihre eigenen CDs mit ihren Favoriten sus der Alten Musik auflegen

Nicht nur Musikliebhaber, sondern auch zahlreiche namhafte Musiker haben, speziell nach großen Konzert-Events wie den Resonanzen, dem Lokal schon die Ehre gegeben. Jordi Savall etwa und seine Frau Montserrat Figueras, William Christie, Andreas Scholl, Paul Agnew, Ton Koopman, Emma Kirkby, Sir Christopher Hogwood, das Mittelalter-Ensemble Micrologus, Pino de Vittorio, das Ensemble Accordone mit Guido Morini, Marco Beasley und Alfio Antico, René Clemencic, Eberhard Kummer, José Vazquez und viele andere. Auch das Wiener Philosophenpaar Wilhelmine und Arnold Keyserling verbrachte hier schon manche fröhliche Stunde Und Christian will dafür sorgen, dass diese lebendige Begegnung mit dem faszinierenden Reich der Alten Musik noch viele weitere Jahre stattfinden kann – „Musica perennis – Musik auf ewig!“

Zu erreichen ist das SANTO SPIRITO entweder direkt über die Kumpfgasse oder von der Grünangergasse aus, die durch einen Stiegenabgang mit der Kumpfgasse verbunden ist. In der Kumpfgase angelangt, erhascht man gerade noch einen Blick auf die Spitze des Stephansdomes. Etliche große Pflanzenbehälter in der Umgebung des Lokaleinganges mit Koniferen, Rosmarin- und Lorbeersträuchern verheißen sommerliche Schanigartenfreuden – ein Ort der besonderen Art für schöne Abende und stimmiges Musikerleben im Herzen Wiens.